ELF: Rhein Fire vs Barcelona Dragons am 26.6.2022

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AFLE unter der Lupe: Transparenzversprechen und wirtschaftliche Realität

Zuletzt geändert: 21. Januar 2026Von Schlagwörter: ,

Die neue Football-Liga AFLE wirbt mit Transparenz und Partnerschaft. Ein Blick in vorliegende Vertragsunterlagen zeichnet jedoch ein anderes Bild und wirft grundlegende wirtschaftliche Fragen auf.

Die AFLE positioniert sich öffentlich als teamgetragene und faire Alternative im europäischen Football. Zentrale Schlagworte sind Transparenz, Sicherheit und langfristige Perspektiven für Franchises. Eine Analyse des kursierenden Term Sheets bei Reddit zeigt jedoch deutliche Abweichungen zwischen Kommunikation und Vertragswirklichkeit. Aus wirtschaftlicher Sicht ergeben sich Risiken, die vor allem die Teams tragen. Der folgende Überblick ordnet die Kritikpunkte ein.

Entgegen der öffentlichen Darstellung gehört die wirtschaftliche Struktur der Liga nicht den Teams. Sämtliche relevanten Verwertungsrechte liegen bei der AFLE Betriebs GmbH. Diese wiederum befindet sich vollständig im Besitz der Venture FOMO GmbH. Die Teams erhalten lediglich eine Spiel- und Teilnahme-Lizenz. Eine Beteiligung an der Liga als wirtschaftlichem Unternehmen ist nicht vorgesehen.

Garantiezahlungen mit Einschränkungen

Kommuniziert wird eine jährliche Zahlung von 325.000 Euro pro Team. Vertragsseitig ist jedoch lediglich eine Mindestgarantie von 300.000 Euro vorgesehen, befristet auf zwei Jahre. Zudem handelt es sich nicht um eine Subvention. Die Beträge werden vollständig mit künftigen Gewinnansprüchen verrechnet. Ökonomisch gesehen ist dies eine Vorabentnahme möglicher Erträge.

Auch die häufig genannte Quote von 75 Prozent zugunsten der Teams findet sich im Term Sheet nicht. Einnahmen fließen zunächst zentral an die Liga-Gesellschaft. Vor Ausschüttungen werden laufende Kosten, Rücklagen, Marketing sowie Ansprüche des Investors bedient. Ausschüttungen an Teams erfolgen ausschließlich bei tatsächlichen Gewinnen und nachrangig.

Finanzielle Pflichten der Franchises

Von einem risikofreien Einstieg kann keine Rede sein. Jede Franchise muss 30.000 Euro auf ein Treuhandkonto einzahlen. Bei einem vorzeitigen Ausstieg verfällt dieser Betrag. Je nach Modell kommen weitere Buy-ins hinzu. Zusätzlich ist der Nachweis finanzieller Stabilität über eine gesamte Saison verpflichtend.

Zentraler Kritikpunkt ist die Absicherung des Investors. Dieser erhält eine jährliche Verzinsung von zwölf Prozent auf das eingesetzte Kapital. Hinzu kommt eine dauerhafte Beteiligung von fünf Prozent am Bruttoumsatz der Liga, unabhängig von Gewinnen oder Verlusten. Der eigentliche Kapitalrückfluss erfolgt über festgelegte Exit-Regelungen mit Rückzahlungsfaktoren von bis zu dem Dreifachen der Investitionssumme.

Strukturelle Schieflage im System

In der Summe entsteht ein Modell mit klarer Asymmetrie. Der Investor ist mehrfach abgesichert und partizipiert laufend an Einnahmen. Die Teams tragen operative Risiken, erhalten keine Eigentumsrechte und profitieren erst am Ende der Kette. Wirtschaftlich ähnelt das Modell eher einer Fremdfinanzierung mit umfassenden Sicherheiten als einer partnerschaftlichen Liga.

Im Vergleich zur European League of Football zeigt sich ein anderer Ansatz. Dort existierten Beteiligungsmöglichkeiten für Teams sowie feste Erlösanteile unabhängig von der Gewinnlage der Liga. Das wirtschaftliche Risiko lag stärker bei der Ligagesellschaft selbst. Diese Elemente fehlen im AFLE-Modell weitgehend.

Auswirkungen auf Wachstum und Stabilität

Die vertraglich fixierten Rückzahlungsansprüche gelten als Wachstumsbremse. Mit zunehmendem Erfolg steigen auch die Abflüsse an den Investor. Für potenzielle Folgeinvestoren sinkt die Attraktivität. In einer realistischen Anlaufphase ohne Gewinne drohen den Teams Einnahmeausfälle, während feste Investorenansprüche bestehen bleiben.

Auffällig ist zudem die Diskrepanz zwischen Transparenzforderungen und der öffentlichen Informationslage. Die Identität des wirtschaftlich maßgeblichen Investors wird nicht klar benannt. Stattdessen führt die Struktur über mehrere Gesellschaften. Dies steht im Widerspruch zum propagierten Offenheitsanspruch.

Einordnung der ablehnenden Haltung

Vor diesem Hintergrund erscheint die Zurückhaltung vieler Teams nachvollziehbar. Die geringe Zahl öffentlich genannter Franchises wird von Beobachtern als Marktsignal gewertet. Die Entscheidung mehrerer Organisationen, sich nicht zu beteiligen, wirkt weniger ideologisch als ökonomisch motiviert.

Aus wirtschaftlicher Perspektive ist das AFLE-Termsheet kein ausgewogener Deal für die Teams. Die Kontrolle verbleibt beim Investor, die Risiken bei den Franchises. Langfristige Wertschöpfung für die Standorte ist vertraglich nicht abgesichert. Die Frage, ob dieses Modell zur Stabilisierung des europäischen Footballs beiträgt, bleibt offen.

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