Touchdowns im Tropen-Takt: Die Football-Zusammenfassung des Wochenendes
Das vergangene Wochenende stand im deutschen American Football ganz im Zeichen extremer Hitzeschlachten weit jenseits der 30-Grad-Marke. Während in der höchsten deutschen Spielklasse (GFL) lang ersehnte Befreiungsschläge gefeiert und Tabellenplätze zementiert wurden, bot ein hochklassiges Spitzenspiel im Unterbau ein spektakuläres Offensiv-Feuerwerk.
GFL Nord: Der Knoten ist geplatzt – Braunschweig Lions feiern Premierensieg
Die Erleichterung bei den Braunschweig Lions war nach dem Schlusspfiff im Düsseldorfer Benrather Stadion greifbar. Nach einem holprigen Saisonstart belohnte sich die Mannschaft für ihre ansteigende Formkurve der letzten Wochen und feierte bei hochsommerlichen Temperaturen einen verdienten 34:20-Auswärtserfolg gegen die Düsseldorf Panther. Für die Lions war es der erste Saisonsieg in der laufenden Spielzeit 2026.
Unter der Regie von Quarterback Ryon Thomas präsentierte sich die Braunschweiger Angriffsformation von Beginn an extrem variabel. Thomas bediente im ersten Viertel zunächst Peter Anderson mit einem kurzen Pass, den dieser spektakulär über 36 Yards zum 7:0 in die Endzone trug. Zu Beginn des zweiten Abschnitts erhöhte der Spielmacher nach einem energischen 50-Yard-Sololauf selbst auf 14:0, ehe er wenig später Jonathan ter Horst mit einem präzisen 33-Yard-Touchdown-Pass zur komfortablen 21:0-Führung fand.
Obwohl sich die Düsseldorf Panther um ihren Quarterback Isaiah Weed kurz vor der Pause durch einen eigenen Lauf auf 6:21 zurückmeldeten und im dritten Viertel sogar bis auf 14:21 verkürzten, behielten die Löwen kühlen Kopf. Kicker Mark-Robin Peschelt sorgte mit zwei verwandelten Fieldgoals aus 28 und 34 Yards für das nötige Polster. Den endgültigen Deckel auf die Partie machte schließlich die Braunschweiger Defense: Brandon Potts fing einen tiefen Pass von Weed spektakulär ab. Den daraus resultierenden Ballbesitz nutzte Ryon Thomas, um Leon Kusterer mit einem Pass über 32 Yards in der Endzone zum 34:14-Zwischenstand zu bedienen. Der späte Düsseldorfer Touchdown zum 20:34 durch James Okike war am Ende nur noch Ergebniskosmetik.
GFL Süd: Razorbacks deklassieren Saarland Hurricanes in der Hitzeschlacht
Einen regelrechten Befreiungsschlag feierten die ifm Razorbacks Ravensburg vor 1.312 begeisterten Zuschauern im heimischen TeleData-Stadion am Lindenhof. Im richtungsweisenden Duell um die Spitzenplätze der GFL Süd fertigten die Oberschwaben die Saarland Hurricanes in einer wahren Hitzeschlacht mit 48:6 ab und bestätigten damit eindrucksvoll ihren klaren Erfolg aus dem Hinspiel. Nach schmerzhaften Niederlagen gegen Pforzheim und Meister Potsdam zeigten die „Wildschweine“ die vom Trainerstab geforderte Reaktion.
Das Spiel der Gäste erlitt bereits in der ersten Halbzeit einen herben Dämpfer, als sich ihr neuer Quarterback Jaylen Tregle verletzte und fortan durch Joshua Youngblood ersetzt werden musste. Die Razorbacks überraschten die gegnerische Defensive mit einem radikal umgestellten Matchplan: Statt ihres gewohnten, passlastigen Angriffs setzten sie konsequent auf das Laufspiel. Runningback Lennies McFerren tankte sich im ersten Durchgang gleich doppelt erfolgreich durch die Tackle-Versuche der Hurricanes und sorgte für eine schnelle 14:0-Führung.
Für den emotionalen Höhepunkt des Tages sorgte das Special Team der Hausherren: Einen Fieldgoal-Versuch der Saarländer blockten die Wildschweine eiskalt ab; Jonah Choate nahm das eiförmige Leder auf und sprintete über epische 71 Yards zum 21:0 in die gegnerische Endzone. Kurz vor der Pause schraubten Anthony Harris Jr. (nach einem Pass von Broghean McGovern trotz Doppeldeckung) und McGovern selbst durch einen eigenen Lauf das Ergebnis auf ein uneinholbares 34:0 zur Halbzeit. Nach dem Seitenwechsel ließen die Ravensburger nichts mehr anbrennen. Samuel Mindham nach einem erzwungenen Fumble in der saarländischen Endzone sowie Tye Germain mit einem kraftvollen 41-Yard-Lauf machten das Schützenfest perfekt. Joshua Youngblood gelang im Schlussviertel lediglich der Ehrentreffer für die Hurricanes.
Spitzenspiel im Unterbau: Krefeld Ravens gewinnen epische 4-Stunden-Revanche
Das packendste Offensiv-Spektakel des Wochenendes bekamen die Fans in der Krefelder Grotenburg geboten. In einem dramatischen Spitzenspiel bezwangen die Krefeld Ravens die Hamburg Pioneers am Ende deutlich mit 63:28 und wahrten damit auch im fünften Saisonspiel ihre weiße Weste. Die weit über vier Stunden andauernde Partie entwickelte sich bei Temperaturen von über 30 Grad in der prallen Sonne zu einem echten Abnutzungskampf, den die Krefelder dank einer überragenden Physis in der zweiten Halbzeit komplett dominierten.
(c) André Steinberg
Dabei erwischten die Hamburger Gäste den perfekten Start: Bereits im zweiten Spielzug brach Malik Schachner durch die Krefelder Linie und sprintete über 80 Yards zur Hamburger Führung. Es entwickelte sich ein wilder Schlagabtausch im ersten Durchgang, bei dem Krefeld zwar das Spiel kontrollierte, die Pioneers jedoch durch unfassbare Big-Plays im Spiel blieben. Hamburgs Import-Spieler Mike Webb erwies sich als Ein-Mann-Armee: Erst trug er einen Kickoff über das gesamte Feld in die Endzone zurück, dann fing er eine Krefelder Fumble-Conversion ab und trug sie über 80 Yards zum Touchdown. Als Webb im zweiten Viertel auch noch als Receiver eingesetzt wurde und einen langen Pass zum zwischenzeitlichen Anschluss verwertete, schien die Überraschung greifbar.
Doch Krefeld hatte an diesem Tag die ultimative Waffe in ihren Reihen: US-Boy Akiva Wedge. Der Ausnahmespieler stand in der Hitzeschlacht fast ununterbrochen auf dem Feld, sammelte unglaubliche 377 All-Purpose-Yards und erzielte allein fünf Touchdowns für die Ravens. Gemeinsam mit den präzisen Pässen von Quarterback Christian Arrambide auf Jakob Bojko knackten die Hausherren die Hamburger Gegenwehr noch vor der Pause zur 43:28-Führung. In der zweiten Halbzeit war der Widerstand der mit nur 38 Spielern angereisten Hanseaten endgültig gebrochen. Die Krefelder Defense drehte komplett auf: Can Ari fing einen Pass zum spektakulären Interception-Touchdown („Pick-Six“) ab, ehe Cam Brown einen gegnerischen Passversuch clever antizipierte und den Ball zum 63:28-Endstand in die Endzone trug. Einziger Wermutstropfen für Krefeld waren die Schiedsrichter-Flaggen – stolze 17 Strafen warfen die Ravens an diesem Nachmittag um insgesamt 169 Yards zurück.
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