… jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach.

Vom 7. Oktober bis zum 9. November findet eine außergewöhnliche Ausstellung inmitten der Bochumer Innenstadt statt. Eine schwierige Thematik, die sich mit der Verfolgung deutscher Sportler befasst, die aufgrund ihres jüdischen Glaubens in die Verfolgung oder gar den Tod getrieben wurden.

Mit dem Thema haben sich Dr. Berno Bahro (Universität Potsdam/Zentrum deutsche Sportgeschichte e.V.), Prof. Dr. Lorenz Peiffer (Universität Hannover), Prof. Dr. Hans Joachim Teichler (Universität Potsdam), Dr. Henry Wahlig (Deutsches Fußballmuseum) beschäftigt.

Nach Stationen u.A. in Berlin, Köln, Fürth, Nürnberg oder Frankfurt findet die Ausstellung nun in Bochum statt. Mit dabei ist auch ein ehemaliger Deutscher Fußballmeister, Erich Gottschalk, der mit „Schild Bochum“ den Titel errang.

Der vergessene Eishockey-Star

Ebenfalls einer dieser vergessenen Sportler war Rudi Ball. Geboren wurde er am 22. Juni 1911 in Berlin und war Eishockeyspieler beim Berliner SC. Zusammen mit seinen Brüdern Gerhard und Heinz führte er das Team zwischen 1928 und 1933 zu sechs Meisterschaften.

Patrick Dirksmeier

Rudi Ball galt, trotz seiner 1,63m eher kleinen Statur als technisch extrem versiert und wurde so zu einer Schlüsselfigur in der deutschen Nationalmannschaft. Das war auch der Grund dafür, dass die Nationalsozialisten den „Halbjuden“ bei den Olympischen Spielen dabeihaben wollten. Es war der Teamkapitän Gustav Jaenecke, der seine Teilnahme von der Nominierung Balls abhängig machte. Ein Umstand, der die Nazis wohl in eine Zwickmühle brachte.

Bereits bei der Machtergreifung der Nationalsozialisten flüchteten die Ball-Brüder in die Schweiz zum EHC St. Moritz, ein Jahr später dann zu den Diavoli Mailand. Rudi Ball zählt in dieser Zeit zu den unbestrittenen Stars und holt zwei Mal den Spengler-Cup.

Die Tatsache, dass Rudi Ball als „Halbjude“ galt, ersparte ihm zunächst die Verfolgung, was ihn wieder zurück nach Berlin brachte. Nach zwei weiteren Meisterschaften 1936 und 1937 erwirkte das Propagandaministerium seine „Entfernung aus dem deutschen Sport“ im Jahr 1943.

„Halbjuden“ hatten zunächst bessere Karten 

Nur anderthalb Jahre nach Kriegsende steht der inzwischen 35-jährige Routinier wieder auf dem Eis. Ausgerechnet im Berliner Sportpalast, in dem Joseph Goebbels die Deutschen noch vier Jahre zuvor in einer Propagandarede auf den „Totalen Krieg“ eingeschworen hatte, zieht nun wieder die Eishockey-Legende Rudi Ball die Massen in ihren Bann. Im ersten Spiel nach dem Krieg feiert er mit fünf Toren eine triumphale Rückkehr.

Es ist eine von vielen Geschichten, die in der Bochumer Innenstadt gezeigt werden. „Wir haben die Texte minimiert, dass man nicht nur als Besucher der Ausstellung, sondern auch als Passant die Informationen wahrnehmen kann, die hier gezeigt wird“, erläutert Mitorganisator Dr. Henry Wahlig die Ausstellung. „Es sollen auch Menschen angesprochen werden, die sonst nicht in eine Ausstellung gehen würden.“

Da die skulpturalen Präsentationen in der Fußgängerzone der Bochumer Innenstadt stehen, ist die Ausstellung zu jeder Zeit offen zugänglich.

Weitere Infos: Jüdische-Sportstars.de

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