Gerade einmal 300 Zuschauer sahen sich das All-Star Game in Berlin an. Hohe Eintrittspreise verschrecken ELF-Fans.

Nach den über 20.000 Zuschauern in Düsseldorf hatten sich die Macher der European League of Football noch ein kleines „Schmankerl“ für die Fans einfallen lassen. Ein All Star Game im Friedrich-Ludwig-Jahn Sportpark in Berlin.

Dabei sollten die besten europäischen Spielern gegen eine Landesauswahl der USA antreten. Dass diese jedoch nur aus Amateuren der untersten US-Ligen besteht, dürfte dabei den wenigsten Fans bewusst gewesen sein. Auch, dass man die Teams letztendlich relativ bunt gemischt hatte.

Schon vor dem Spiel jedoch geriet die Veranstaltung in die Kritik der anwesenden Zuschauer. „Kein US-Food“ oder „keine echte Powerparty“ hagelte es einen Shitstorm in den sozialen Medien. Bei Eintrittspreisen jenseits der 40 €-Marke wurde selbst beim Einlauf und Showelementen gespart. Wer ein VIP-Ticket haben wollte musste gar 199 € auf den Tisch legen – für ein Spiel ohne jegliche Bedeutung.

wave.inc

Während die ELF in der ersten Saison vor Allem potentielle Geldgeber anlocken wollte, dürfte solch ein Auftritt kaum geholfen haben.

Auch sportlich zeigte sich das All-Star Game kaum sehr hochwertig. Das deutliche Ergebnis von 26:6 für das Team Europa spiegelt den einseitigen Verlauf wieder.

« von 3 »

Bilder (c) Thomas Sobotzki

Qualität der ELF nicht „Top“

In den letzten Wochen hat sich vor allem ELF-Comissioner Patrick Esume deutlich zur Liga geäußert: „Die ELF ist die stärkste Liga in Europa“. Dabei widersprach sich der ehemalige Coach beim Playoffspiel der Cologne Centurions in Frankfurt live im TV. „Die schlechte Ausbeute bei den Third Downs der Kölner zeigt ein wenig die fehlende Qualität im Team.“

Nun hätte der Comissioner wohl vorher einmal die Statistik der Liga anschauen sollen, denn insgesamt hinkt die ELF deutlich der GFL hinterher.

Wir haben uns die Mühe gemacht, die Zahlen aus allen Spielen der GFL Nord und der ELF miteinander zu vergleichen. Wir haben dabei einige Key-Stats genommen, wie die von Esume angesprochenen „Third Down Conversions“, Die Anzahl der Strafen und die dazugehörigen verlorenen Yards, sowie die durchschnittlich erspielten Yards pro Spielzug. Alle Zahlen sind sowohl bei der ELF, als auch der GFL offen einsehbar.

3rd Down Conversions:

In der European League of Football stachen Frankfurt und Köln jeweils mit knapp 44 % positiv hervor. Im Vergleich dazu konnten in der GFL die beiden Teams aus Kiel und Dresden jeweils über 50% ihrer dritten Versuche an den Mann bringen. Auch die Braunschweig Lions stehen mit 44% gut da, obwohl die gesamte Saison der Löwen eher problematisch war.

Mit Berlin und Stuttgart konnten zwei ELF-Teams gerade einmal knapp 26% der dritten Versuche verwerten. In der GFL kamen die Berlin Rebels auf 30% und die Cologne Crocodiles auf 38%. Letztere schafften es mit diesem Wert sogar in die Playoffs.

Im Durchschnitt kommt die ELF bei den 3rd Down Conversions auf 36,25 %, die German Football League (Nord) auf 42,83%.

Penaltys und abgegebene Yards:

Bei den Strafen sieht man in der Regel, wie das Zusammenspiel der einzelnen Teambereiche ist. Gerade Fehlstarts haben in dieser Saison für viele Strafen gesorgt. Aber auch unsaubere Tackles durch die kurze Vorbereitung sah man viel zu oft in der abgelaufenen Saison.

In der ELF kam hinzu, dass die Schiedsrichter häufig eine schlechte Figur abgaben. Nicht nur die zurückgenommene Ejection nach einem rassistischen Vorfall in Stuttgart stellte in dieser Saison die Unparteiischen in ein schlechtes Licht.

Besuchern mehrerer Veranstaltungen dürfte die Menge der Flaggen bei den Spielen aufgefallen sein. Tatsächlich kommt man bei den ELF-Spielen auf einen Schnitt von 88,13 Strafyards pro Begegnung. In der GFL waren es im Vergleich nur 73,33 Yards.

Spitzenreiter in der GFL Nord waren die Potsdam Royals, die insgesamt auf über 1114 verlorene Yards kamen. Auf Rang zwei liegen die Cologne Crocodiles mit 806 Yards. Um den Fair-Play-Preis duellieren sich die Dresden Monarchs mit 465 Yards und die Berlin Rebels mit 460 Yards.

In der European League of Football haben gleich zwei Teams die Marke von 1000 Yards geknackt. So kommen die Hamburg Sea Devils auf 1321 Yards und die Leipzig Kings auf 1070 Yards. Barcelona und Berlin erreichten zumindest die 900er-Marke. Fairstes Team war Stuttgart Surge mit „nur“ 501 Yards an Strafen.

Yards per Play:

In der Offensive waren die Big-Plays in dieser Saison ligaübergreifend Mangelware. Die eingespielten Teams in der GFL hatten daher auch nur einen minimalen Vorsprung von 1 Yard pro Spielzug in der angelaufenen Saison.

Erst wenn man auf einzelne Teams schaut, erkennt man größere Unterschiede:

Die Cologne Centurions hatten in der ELF mit 6,25 Yards die Nase vorn. Dabei war es mit Madre London ein Runningback, der für den Großteil der Big Plays verantwortlich war. Auch das eingespielte Team aus Breslau kam auf knapp über 6 Yards im Schnitt.

Bis auf die Berlin Rebels lag jedes Team der GFL Nord über der 6-Yard-Marke. Allen voran stehen die Dresden Monarchs nicht ohne Grund mit 7,3 Yards im Schnitt im German Bowl am kommenden Samstag. Die gerade einmal vier Wochen Vorbereitung der Braunschweig Lions setzten das Team auf den vorletzten Platz in der Nord-Gruppe, jedoch immer noch mit 6,1 Yards pro Spielzug.

Bei den Zuschauerzahlen war die Recherche etwas schwierig. So liegen aus der GFL nur die Zahlen aus der Saison 2019 vor. Hier kommt die GFL-Nord auf einen Schnitt von 1921 Zuschauern pro Team. In der ersten Saison der ELF kamen durchschnittlich 1774 Zuschauer ins Stadion. (Ohne German Bowl und Championship-Game)

 

 

Sport Mobil